01.11.2019

Läuferin Rosi Bohm: Schwungrad beim SV Blau-Weiß Dahlewitz

Treue Seele: Die Ehrenamtlerin engagiert sich seit vielen Jahrzehnten bei ihrem Heimatverein.

Die Spuren, die Rosi Bohm hinterlassen hat in der märkischen Lauflandschaft sind vielerorts deutlich, am imposantesten aber sind sie nach dem Zieleinlauf beim Dahlewitzer Waldcross, wenn sich die Abdrücke der Sportschuhe im Boden des Natursportparkes abzeichnen.  „Rosi hat zu den Enthusiasten gehört, die damals die Laufgruppe bei Blau-Weiß Dahlewitz gegründet haben“, erinnert sich Abteilungsleiter Jürgen Hofsommer, „gemeinsam mit ihrem Mann Detlef hat sie den einmal im Jahre stattfindenden Waldcross 25 Jahre verantwortlich vorbereitet und durchgeführt. Wir sind sehr froh, dass wir die beiden haben.“ Auch Detlef Bohm wurde bereits im Rahmen der MAZ-Serie „Treue Seele“ des Vereins vorgestellt, der Sport-Verein Blau-Weiß ist seit vielen Jahrzehnten eine Bohmsche Familienangelegenheit.

Foto. J. Hochsommer

Rosi Bohms Motivation für das Dauer-Ehrenamt? „Es erfüllt mich, etwas Sinnvolles zu tun, ich halte es auch für sehr wichtig, unserer Jugend diese Perspektiven in einem Sport-Verein zu ermöglichen“, sagt die 66 Jahre alte Dahlewitzerin, „und außerdem macht mir die Arbeit eine Menge Spaß.“ Begonnen hatte alles 1980, als sie Mitglied bei der Sport-Gemeinschaft (SG) Blau-Weiß wurde. Bereits fünf Jahre später gehört sie zu den sieben Gründungsmitgliedern der Laufgruppe, unter deren Regie seitdem unzählige Kilometer unter die Sohlen genommen wurden. Detlef Bohm übernimmt für mehrere Jahrzehnte den Vorsitz der neuen Sektion, seine Frau Rosi tritt 1992 ein Amt an, das in jedem Verein zu den Schlüsselpositionen gehört: Sie wird Schatzmeisterin. „Ich habe nach der Wende in einem Steuerbüro angefangen zu arbeiten“, erinnert sie sich, „da war es naheliegend, mich zu fragen, als die Stelle damals besetzt werden musste.“ Seitdem führt Rosi Bohm die blau-weißen Bücher – eine Mammutaufgabe.

„Die Arbeit ist sehr anspruchsvoll und zeitaufwendig, denn jeder Euro, der vom Verein ausgegeben wird, geht über ihre Bücher und wird dort akribisch notiert“, sagt Martina Splittgerber, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Dahlewitzer Laufgruppe kümmert, „zu ihren Aufgaben gehören außerdem Anträge auf Fördermittel zu stellen, die der Verein vom Landessportbund oder der Gemeinde erhält, und deren Abrechnung, genauso wie die Steuererklärung, ebenso müssen die Verwendung der Betriebsmittel, Spendenquittungen und Sponsorenverträge ihre Richtigkeit haben.“

Ein weiterer Faktor, der den Aufwand für Rosi Bohms Ehrenamt deutlich vergrößerte: Mit der Anzahl der blau-weißen Vereinsmitglieder, die sich seit der Wende mit heute rund 650 Mitgliedern (1991: 239 Mitglieder) fast verdreifacht hat, ist nicht nur der Berg von Rechnungen und Belegen angewachsen, sondern auch das Finanzvolumen. „Nicht nur ihr großes Engagement, sondern auch ihre Kompetenz und Gründlichkeit sind dem Verein von unschätzbarem Wert“, sagt Martina Splittgerber. Der Lohn: Viel Anerkennung – Rosi Bohm wurde 2010 als engagierte Ehrenamtlerin von der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow ausgezeichnet und erhielt 2018 die Ehrennadel des Landessportbundes sowie die goldene Ehrennadel des Vereins. Ein Verein, der auch wegen Ehrenamtlern wie ihr zu den größten Sport-Gemeinschaften des Landkreises gehört.

Ein ganz besonderes Erlebnis war der Start beim Berlinmarathon am 50. Geburtstag

Auf der Habenseite stehen aber auch unvergessliche Laufmomente für Rosi Bohm, die selber leidenschaftlich gerne läuft. Unter anderem startete sie beim ersten Gesamtberliner Neujahrslauf am 1. Januar 1990. „Unvergessen ist auch die Teilnahme am Berlinmarathon an meinem 50. Geburtstag 2003, der anschließend gemeinsam mit den Lauffreunden gefeiert wurde“, sagt Rosi Bohm. „Die Mitstreiter von Blau-Weiß hatten eine besondere Startnummer – 2809 – mit meinen Geburtsdaten besorgt.“ Noch heute hängen die Andenken in dem kleinen Arbeitszimmer, in dem Rosi Bohm ihre Vereinsarbeit verrichtet. In guten und in schwierigen Zeiten, so wie vor knapp zwei Jahren.

„Als zu Beginn des Jahres 2018 sowohl der Vereinsvorsitzende, als auch sein Stellvertreter ihre Ämter niederlegten“, erinnert sich Martina Splittgerber, „war es in hohem Maße ihr Verdienst, dass der Verein den Wechsel in der Vereinsführung so gut überstanden hat. Sie hat nicht nur wertvolles Erfahrungswissen weitergegeben, sondern als Not am Manne war, sich noch über ihre Tätigkeit als Schatzmeisterin hinaus engagiert.“ Die Frage, wie es mit dem Verein, der auf sein 100-jähriges Gründungsjubiläum im Jahr 2021 zusteuert, weitergehe, sagt Rosi Bohm, die regelmäßig bei den Läufen des Energie-Cups Teltow-Fläming antritt, habe ihr manch schlaflose Nacht beschert. Viel zu tun also für die Dahlewitzerin, obwohl sie vor drei Jahren in den beruflichen Ruhestand eintrat: Rosi Bohm engagiert sich im geschäftsführenden Vorstand des Vereins, der sie in Schwung hält und auch ihre vier Enkel – allesamt Jungs – halten sie auf Trab. Und umgekehrt.

Link zum Originalbeitrag des Sportbuzzers von Lars Sittig