17.05.2008

Im Olympiajahr über die Große Mauer

Ein T-Shirt mit der Aufschrift „Tried it all? – Run the wall!“ gab es vom Veranstalter des Great Wall Marathons bereits vor dem Lauf und es war Motto und Motivation in einem: Für die vier Läufer von Blau-Weiß Dahlewitz war der Lauf über die Große Mauer im Jahr der Olympischen Spiele in China am 17. Mai 2008 eine große Herausforderung und ein einzigartiges Erlebnis zugleich. 1700 Stufen und etwa 500 Höhenmeter waren auf der Chinesischen Mauer in einem ständigen Auf und Ab zu bewältigen. Das schwere Teilstück der Strecke gehörte als Besichtigungstermin einen Tag vor dem Lauf zum Pflichtprogramm des deutschen Reiseveranstalters Interair, bei dem Rosi und Detlef Bohm und Burkhard und Irina Strobach diese Reise buchten. „Einige Läufer haben sich danach tatsächlich noch vom Marathon auf die halbe Distanz umgemeldet“, berichtet Detlef Bohm, denn schließlich mussten die Marathonis vorm Ziel noch ein zweites Mal über die Mauer.

ie Dahlewitzer, vier der 97 deutschen und der insgesamt 1581 Läufer aus 49 Nationen, hatten sich von Anfang an die 21,1 km lange Strecke vorgenommen und haben mit Zeiten von 2:47 h bis 3:07 h für diese Distanz gut eine Stunde länger als gewöhnlich benötigt. Das lag wahrlich nicht nur an den Fototerminen unterwegs. Nach dem Start in einem alten Kastell im Dorf Huangyaguan cirka 100 km nordöstlich von Peking ging es 4,5 km auf einer ständig steigenden Serpentine direkt auf den Great Wall. Durch die unterschiedliche Höhe und Breite der jahrtausende alten Steinstufen waren die 3,8 km auf der Chinesischen Mauer besonders schwierig zu laufen. Neben oder trotz der Anstrengung überwältigte der atemberaubende Blick aus der Höhe auf die unberührt scheinenden, bewaldeten Hänge links und rechts des beeindruckenden Bauwerkes, das seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNSESCO gehört. Zum Glück hat auch das Wetter mitgespielt und es war nicht ganz so heiß wie die Tage zuvor, Schatten gab es nämlich kaum. Nach dem Abstieg von der Mauer führte der Weg in einer Schleife durch das hügelige Gelände ins Nachbardorf und zurück zum Ausgangspunkt.

Burkhard lobt die gute Organisation des Laufes: „Überraschend viele chinesische Zuschauer säumten die Strecke und die Dorfbewohner waren willkommene Helfer, die Schwämme und Getränke zur Erfrischung reichten.“ Dieser harte, aber doch schöne Wettkampf gestattete den Teilnehmern Einblicke in das China abseits des normalen Tourismus, Momentaufnahmen von unterwegs und kurze, aber herzliche Begegnungen werden bleibende Erinnerung sein.

Durch den mehrtägigen Aufenthalt in Jixian nahe des Great Wall und in Peking erhielten die Sportler Eindrücke von den sehr unterschiedlichen chinesischen Lebensweisen und -möglichkeiten. „Mich hat besonders berührt, welche krassen Unterschiede zwischen der armen Bevölkerung auf dem Lande und dem modernen Leben in Peking es doch gibt“, fasst Rosi Bohm ihre Empfindungen zusammen. Auf dem Land besuchten sie einen heimischen Markt und die berühmten Quing-Gräber, in Peking standen die Verbotene Stadt, der Platz des Himmlischen Friedens und der Himmelstempel auf dem Programm. Für die Läufer gab es am letzten Abend in Peking ein edles Gala-Diner; die anschließende, selbst organisierte nächtliche Rikscha-Fahrt zurück zum Hotel gehört sicherlich auch zu den unvergesslichen Erlebnissen dieser Sportreise. Zuletzt, auf dem Weg zum Flughafen, war noch Zeit für einen Abstecher zum neuen Stadion: Peking präsentierte sich bereits – wenn auch noch zum Teil hinter Bauzäunen – als Olympiastadt.

M. Splittgerber